Spektrum K > Veranstaltungen > Veranstaltungsvorschau > Veranstaltungsvorschau -Amviehtheater-

Bandscheibenvorfall -Amviehtheater-

Zum Stück

 

In der Deutschland AG tobt ein Kampf. Fünf erbarmungswürdige Angestellte warten vor der TÜRZUMCHEF – im Vorzimmer der Hölle – auf ihren großen Auftritt beim Vorgesetzten.

Die fünf haben alle noch ihren Job, sie hoffen auf Aufstiegsmöglichkeiten, sie fürchten ihre Kollegen und noch mehr den unsichtbaren, allgegenwärtigen Chef. Wir sehen, was sie alles mit sich machen (lassen), um im Spiel zu bleiben, was sie sich einfallen lassen, um die Konkurrenten in den Höllenschlund zu schicken und wir sehen, wie sie sich vom Chef erniedrigen lassen, um den Job nicht zu verlieren.

 

Das kommt Ihnen bekannt vor? Wollten Sie auch schon lange Mal Ihrem Chef direkt und ohne Umschweife verkünden, was Sie in Wirklichkeit von ihm halten? Haben Sie in Gedanken Kollegen schon mal eine kräftige Ohrfeige verpasst oder ein Messer in den Rücken gejagt?

 

„Bandscheibenvorfall – ein Abend für Leute mit Haltungsschäden“ von Ingrid Lausund (2000 im Hamburger Schauspielhaus uraufgeführt) ist eine bitterböse Farce und ein absurd-komischer Abgesang auf das menschliche Talent, sich das Leben gegenseitig schwer zu machen.

 

Eine Farce ist ja bekanntlich ein erheiterndes Theaterspiel, bei dem man sich auf Kosten anderer bestens amüsieren kann. Und wo sich der unvoreingenommene, vorurteilsfrei beurteilende Zuschauer Gewissheit verschaffen kann, dass alle Menschen tatsächlich so sind, wie es da gerade auf der Bühne dargestellt ist. Mit einer einzigen Ausnahme … und das ist der/die Betrachter(in) höchstpersönlich. Verständlich auch, denn derart Verrückte wie die da auf der Bühne, die sich im Nahkampf um beste Positionen gnadenlos zerfleischen, ihre Würde aufopfern, sowie jede Form von Demütigung hinnehmen (heftig protestierend! - danach natürlich), dazu will doch nun wirklich keiner gehören.

 

Warum das trotzdem so komisch ist? Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. „Bandscheibenvorfall“ läuft nun schon seit achtzehn Jahren auf allen möglichen Bühnen in ganz Deutschland – stets mit großem Erfolg. Bei der ersten Inszenierung in Hamburg (sie lief vier Jahre lang) kamen oft ganze Abteilungen Hamburger Firmen zu den Aufführungen. Die Angestellten haben bei ihren ersten Lachimpulsen zuerst zu ihren Vorgesetzten geschielt, ob die denn auch lachen und erst nach dieser Rückversicherung selbst gelacht. Die Chefs waren nach der Vorstellung glücklich und sagten jovial im Foyer: „Na Gott sei Dank haben wir ja ein gutes Betriebsklima!“ und die Angestellten bejahten heftig, um anschließend in den Toiletten über ihren Chef herzuziehen. Mit diesem Verhalten hätten die Zuschauer wunderbar auf die Bühne gepasst. Das war, als hätte das wirkliche Leben direkt aus dem Stück abgeschrieben.

 

Was also ist daran komisch? Vielleicht, dass wir alle wissen, wie es um uns in unserer heutigen Arbeitswelt bestellt ist. Was wir bereit sind zu tun und mit uns machen zu lassen. Und wie weit entfernt der Impuls ist, dagegen etwas zu unternehmen. Vielleicht wissen wir das schon so genau, dass es eben nicht mehr erschreckend ist, sondern nur noch… zum Lachen.

 

 

Der Regisseur:

 

Brian Lausund

 

1969 in Seattle, USA geboren, zog mit seinen Eltern nach Bayern, wo er 1990 sein Abitur machte. Er studierte Regie und Schauspiel an der Theaterakademie in Ulm. Gemeinsam mit dem Ensemble entwickelte Brian Lausund einen radikalen künstlerischen Kurs am Theater Ravensburg: mitten in der oberschwäbischen Provinz entstehen Spielpläne, die sich fast ausschließlich aus Uraufführungen zusammensetzen. Innerhalb von sechs Jahren ist dadurch aus diesem Zimmertheater mit vier Arbeitsplätzen und 60 Sitzen ein neu gebautes, schuldenfreies Kleintheater mit 15 Arbeitsplätzen und 160 Sitzen geworden. Preise für diese Arbeit u.a.: Baden-Württembergischer Kleintheaterpreis, der Kulturpreis des Städtebundes Bodensee – Oberschwaben.

 

Brian Lausund zieht nach sieben glücklichen Jahren am Bodensee nach Hamburg und arbeitet als freischaffender Regisseur und Dramaturg unter anderem für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das Staatstheater in Köln und die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.

 

Neben der Arbeit in diesen Theatern der öffentlichen Hand entstehen unter seiner Regie Produktionen des freien Marktes, wie etwa die mehrfach ausgezeichnete Show „StageTV“ in Zürich, das mittlerweile bis Japan tourende Stück „In der Stille der Zeit“ des Maskentheaters Freiburg oder die Dinnershows „Palazzo“ für Alfons Schubeck in München und Harald Wohlfahrt in Stuttgart.

 

Von 2007 bis 2011 war Brian Lausund als Oberspielleiter am Dreispartenhaus „Theater an der Rott“ in Niederbayern engagiert, dem einzigen Landkreistheater Deutschlands. In diesen vier Jahren konnte das von Schließung bedrohte Theater seine Besucher-Auslastung auf 84% steigern und gilt erneut als fest in seiner Region verwurzeltes Theater, mit starkem politischem Rückhalt.

 

Seit August 2011 ist er wieder am Bodensee sesshaft und arbeitet freischaffend als Kabarettist, Regisseur, Autor und als Geschäftsführer des Hoftheaters Baienfurt.

Samstag, 30. März 2019 (Premiere), 20.00 Uhr

Sonntag, 31. März 2019, 19.00 Uhr

Freitag, 5. April 2019, 20.00 Uhr

Samstag, 6. April 2019, 20.00 Uhr

Freitag, 12. April 2019, 20.00 Uhr

Samstag, 13. April 2019, 20.00 Uhr

Veranstaltungsort Amvietheater: Säulenhalle, Hofgartenklinik Bad Waldsee